Lernbereich

Studiengang Jura

Studium

Inhalte

 

Wollen wir zunächst einmal die größten Irrtümer aus der Welt schaffen: Das Jura-Studium ist weder trocken, noch muss man stupide Gesetze auswendig lernen.

Es ist vielmehr ein lebensnahes Studium. Man befasst sich mit rechtlichen Fragen, die einem selbst im Alltag begegnen können. Diese rechtlichen Fragen löst man aber nicht, indem man Gesetze auswendig lernt, sondern indem man sie anwendet, auslegt und hinterfragt. Ziel des Studiums ist es, das „juristische Handwerk“ zu erlernen, sodass man auch unbekannte Rechtsgebiete schnell erfassen und durchblicken kann, ohne jemals ein Gesetz davon gelesen zu haben.

Gelehrt werden primär die Kerngebiete der einzelnen rechtswissenschaftlichen Komplexe, namentlich Bürgerliches Recht, Strafrecht und Öffentliches Recht. Der universitäre Schwerpunkt kann dagegen individuell ausgewählt werden. Dabei kann man dann – je nach Angebot der Universität – in exotische Rechtsgebiete wie z.B. Pharmarecht, Sozialrecht oder Asylrecht schnuppern.

 

Was erwartet mich?

 

Langes Studium

Zunächst einmal muss man sich auf ein langes Studium einstellen. In der Regel dauert das Studium neun Semester, an die das 1. Staatsexamen anschließt. Dabei unterteilt sich das Studium in Grundstudium (ca. vier Semester) und Hauptstudium (ca. fünf Semester). Im Grundstudium werden einem die examensrelevanten Grundlagen sowie die juristische Methodik vermittelt und man schließt es mit der sog. Zwischenprüfung ab (dabei handelt es sich um keine richtige „Prüfung“, sondern man muss innerhalb des Grundstudiums eine gewisse Anzahl an Prüfungen bestanden haben). Im Hauptstudium erfolgt anschließend die vertiefende Ausbildung, der Schwerpunkt und die Vorbereitung zum Examen.

 

Lebensnahe Inhalte

Ein Vorteil im Gegensatz zu vielen anderen Studiengängen ist, dass das was man lernt– zumindest abstrakt – auf das echte Leben übertragbar ist. Im BWL-Studium lernt man z.B. Marketing-Theorien von vor 100 Jahren kennen, die sich sicher eher schwierig auf die heutige Wirtschaft übertragen lassen. Da ist es doch viel interessanter zu lernen, ob ein Kaufvertrag zustande gekommen ist, der eigene Freund tatsächlich einen Diebstahl begangen hat oder die Eltern einen Anspruch auf eine versagte Baugenehmigung haben.

 

Schattenseiten

Man muss ehrlich sein, das Jura-Studium weist Schattenseiten auf. Semesterferien? Gibt es nicht. Während die Freunde zum See fahren, sitzt man in der Bibliothek und schreibt an Hausarbeiten oder ist auf dem Weg zum Praktikum. Druck? Gehört dazu. Unter Juristen herrscht an jeder Uni ein enormer Konkurrenzkampf. Und am Ende steht das große Ungeheuer Examen an. Das erhöht gleich nochmal den Druck. Gute Noten bekommen auch nur die Wenigsten, sowohl während des Studiums als auch im Examen. Nicht umsonst gilt unter den Juristen der Grundsatz „Vier gewinnt“.

 

Kosten

Studiengebühren und Semesterbeiträge

BaFöG

Stipendien

Studienkredite

 

Was muss ich als Person mitbringen?

 

Oft wird gesagt, dass man für Jura gut in Mathe und in Deutsch in der Schule gewesen sein muss. Stimmt so nicht ganz. Logisches Denken ist wichtig, hat aber nicht automatisch was mit dem Schulmathe zu tun. Sprache ist auch wichtig. Aber anders als in der Schule, wo verschachtelte Sätze mit Unmengen an Fremdwörtern gerne gesehen waren, geht es in der Juristerei darum, kurz, knapp und präzise zu schreiben. Auch ein schlechter Abischnitt ist keine Prognose für ein automatisches Versagen im Studium. Das Studium ist ein ganz neuer Lebensabschnitt, an dem man mit einer ganz anderen Motivation herangeht.

Neben logischem Denken und Sprachgefühl braucht man darüber hinaus ein Problembewusstsein sowie eine schnelle Auffassungsgabe, um den komplexen Stoff verstehen zu können. Außerdem ist das Jura-Studium überwiegend ein Selbststudium, sodass Durchhaltevermögen und Selbstorganisation von großer Bedeutung sind.

Ein Latinum ist übrigens auch nicht notwendig. Die wenigen lateinischen Floskeln, die man kennenlernt, lernt man eh auswendig.

 

Welche Uni bietet es an

 

Tatsächlich bieten die meisten Universitäten in Deutschland ein Jura-Studium an. Einige Universitäten wie z.B. die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, die LMU München und die Westfälische Wilhelms-Universität Münster genießen auch international einen guten Ruf. Dementsprechend hoch ist ihr NC. Aber so viel vorweg: Ein guter Ruf heißt nicht automatisch eine gute juristische Ausbildung!

 

Das 1. Staatsexamen

 

Abgeschlossen wird das Jura-Studium mit dem 1. Staatsexamen. Das Ergebnis setzt sich aus dem universitären Teil in Form des Schwerpunkts (30 %) und dem staatlichen Teil (70 %) zusammen. Der staatliche Teil umfasst mehrere jeweils fünfstündige Klausuren in den drei Rechtsgebieten Öffentlichen Recht, Bürgerliches Recht und Strafrecht sowie eine mündliche Prüfung. Die Anzahl der Klausuren ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. Eine Durchfallquote von etwa 25 % ist üblich. Das begehrte Prädikatsexamen (ab 9 Punkte) erreichen dagegen nur ca. 10 %.

 

Berufsaussichten

 

Das Berufsbild eines Juristen ist vielfältig. Ihm steht sowohl der Staatsdienst als auch die freie Wirtschaft offen. Dennoch muss man ehrlich sein: es gibt viele Juristen und jedes Jahr kommen ca. 3000 neue Absolventen hinzu. Und anders als in anderen Studiengängen zählt bei Jura fast nur die Note. Eine Promotion, ein LL.M. oder ein Fachanwalt können jedoch helfen, die Noten des Examens etwas auszugleichen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Beispiele, dass auch Juristen ohne ein Prädikat erfolgreich geworden sind. Es gilt schließlich „fabrum esse suae quemque fortunae“ – jeder sei der Schmied seines Glücks.

 

Informiere dich über deine Berufsaussichten:

 

Steuerberater/in

Zivilrichter/in

Strafrichter/in

Anwalt/Anwältin in der Boutiquekanzlei

Syndikusanwalt/-anwältin

Anwalt in der Großkanzlei

Karriere am Lehrstuhl

Patentanwalt/-anwältin

Notar/-in

Staatsanwalt/-anwältin

Selbständigkeit

Pflichtverteidiger/-in

Wirtschaftsprüfer/-in

Richter/-in am Verwaltungsgericht

 

Informiere dich über einen LLM:

 

LLM: Wer Wie Was – ein Überblick zum Master of Laws

LLM – Finanzierungsmöglichkeiten

LLM – Wo?

 

 

Fazit

 

Jura ist ein langes und zeitaufwendiges Studium. Dennoch lohnt sich der Aufwand, wenn man wirklich Interesse für Recht und das Grundverständnis unseres Staatssystems mitbringt. Wer das hat, hat auch das Potential ein guter Jurist zu werden. Wer nicht, sollte vorzeitig die Notbremse ziehen und sich anderweitig orientieren.