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Das Jurastudium ist ein (Lern-)Marathon, kein Sprint

Das Jurastudium ist ein (Lern-)Marathon, kein Sprint

Als Jurastudenten sind wir ständig am Hetzen; bei einer Studiendauer von in der Regel 9 Semester (bis zum ersten Etappensieg, dem 1. Staatsexamen), scheint unsere lange Liste von Vorlesungen, Hausarbeiten und Fristen nie zu schrumpfen. In den Semesterferien schreiben wir Hausarbeiten oder leisten ein Praktikum ab. Hinzu kommt bei vielen Studierenden noch Teilzeitarbeit (oder die, die den Nervenkitzel suchen: fast Vollzeitarbeit mit 25 – 30 h/Woche), ein Teilzeitstudium, Familienpflichten, Freunde, Freiwilligenarbeit und/oder außeruniversitäre Aktivitäten. Achso, und wenn wir einmal „faul“ sein wollen, dann nehmen wir für eine Freischussverlängerung an einem Programm für ein Auslandssemester oder an einem Moot Court teil.

Wie bei einem Marathon auch, gibt es in einem Jurastudium Durststrecken, Rückschläge und Frustration. Auch das Gefühl „Ich kann nicht mehr“ kennt der ein oder andere. Wobei meistens eher der Fall von „Ich mag nicht mehr“ gemeint sein wird. Es geht einem einfach auch mal die Puste aus.

Es gibt mehr Leute, die kapitulieren, als solche, die scheitern.“- Henry Ford.

In der Tat, würde es mich nicht wundern, wenn unter meinen Studienfreunden nicht der ein oder andere für den Marathon trainiert. Die Denkweise und Einstellung für einen erfolgeichen Marathonlauf ähneln sehr derer eines erfolgreichen Studienverlaufs. Disziplin. Aber keine Übertreibung.

Gerade während der Examensvorbereitung verhalten wir uns wie Figuren aus einer Zeichentrickserie, die wie angestochen ständig beschäftigt sind und herumrennen – nur noch etwas gestresster und nervlich am Boden zerstört. Aber meistens bringt das am Schluss dann auch nichts mehr, wenn man am Beginn keinen guten Start hatte.

Vielleicht sollten wir deshalb – wie bei einem Marathon auch – das neue akademische Jahr mit dem Versprechen, langsamer zu starten, aber dafür stetig zu laufen, beginnen.

Die Vorstellung, zu verlangsamen kann hart sein, vor allem mit unserem starken Wunsch, unseren Studiengang endlich beenden zu wollen. Die Konkurrenz ist während des Studiums stark zu spüren und auch die Stellenangebote, die man während des Studiums auf Flyern, in Studienratgebern oder Messen wahrnimmt, setzen ein vollbefriedigend voraus. Da ist es nicht überraschend, dass viele Studierende versuchen, das Studium „schnell über die Bühne“ zu bringen, wie Zeichentrickfiguren versuchen alles auf einmal zu meistern und dabei auf ihrem Weg wie ein Läufer stolpern, im übertragenen Sinn Bänderrisse erleiden und frustriert sind.
Es gibt natürlich auch die „Wunderkinder“, die weniger trainieren müssen, schnell Neues erfassen und den Weg geschmeidig laufen und ganz natürlich als einer der ersten in die Zielgrade spazieren. Aber es gibt auch umgekehrt diejenigen Fälle, die denken sie wären „Wunderkinder“ und sich beim Lauf dann beide Knöchel brechen.

Zu wissen, wo man in der juristischen Welt genau hingehört, geschieht nicht über Nacht. Aber, wenn der ganze Fokus nur auf dem Ziel liegt, ist der Weg gefühlt oft schwer. Gerade bei einer Marathonstrecke von 4 bis 5 Jahren. Das Jurastudium sollte vielmehr als eine Reise gesehen werden. Kein anderer Studiengang trainiert Frustrationstoleranz, logisches Denken und Erinnerungsfähigkeit so wie die Rechtswissenschaften. Das Studium ist charakterbildend (ob postiv oder negativ, sei dahin gestellt).

Der Studiengang der Rechtswissenschaften ist ein Erlebnis wie kein anderes, und obwohl es wie ein fast zu langer Weg zum Ziel erscheinen mag, ist es wichtig, ab und zu zu verlangsamen und auch den Augenblick zu genießen.

Das 1. Staatsexamen wird kommen. Der stetige (gut trainierte) Marathonläufer gewinnt das Rennen. Und wie beim Marathon sind die letzten 7 Kilometer die anstrengendsten.

Jurakurs Jura Marathon